Hallo,
am 30.09.2011 startete ich zu einer Rundreise durch Italien. Der erste Etappe führte mich von Ladenburg über den Brenner zum Südende des Gardasees nach Lazise.
Ich fuhr von Ladenburg aus über die Autobahn, den Fernpass zum Brenner. In Sterzing meldete sich das Navi und es führte mich über das Penser Joch nach Bozen, da auf der Brennerautobahn ein baustellenbedinger Stau angekündigt war.
Von der Passhöhe (2211 m ü. NN) geht es hinunter in Richtung Bozen:
Für mich das eine willkommene Unterbrechung der elendigen Autobahnfahrt. Hinter Bozen ging es wieder auf die Autobahn bis zur Ausfahrt nach Lazise.
Nach der Ankunft im Hotel zog ich mir eine leichte Hose an und fuhr nach Lazise, einem Städtchen, das ich das letzte Mal vor 27 Jahren besuchte.
Von dort ging es am nächsten Morgen über Florenz und Siena zum Monte Amiata in die Südtoscana.
Mit der nächsten Etappe begann meine eigentliche Tour durch Süditalien. Vom Monte Amiata ging es hinunter zum Monte Argentario. Auf den Weg dorthin fand mein Navi eine tolle Abkürzung über eine unbefestigte Strasse.
Einige Kilometer weiter wollte es mich wieder über eine solche Abkürzung jagen, doch ich verzichtet, denn dort fand gerade ein Endurorennen statt. Vom Monte Argentario aus
ging entlang der Küste bis zu meinem nächsten Hotel in Anzio, ca. 30 km südlich von Rom. Halb Rom war an diesem Sonntag mit den Scootern an den Stränden, denn das Wetter war toll. Am nächsten Tag folgte ich der Westküste und durchquerte Neapel, nicht ohne einen kurzen Abstecher auf den Vesuv zu machen. In den ersten engen Kehren musste ich feststellen, dass das Gripniveau in den Kurven sehr schlecht war. Nach einem heftigen Drift entschied ich mich, diese Strasse mit dem nötigem Respekt und einer sehr gemütlichen Fahrweise Rechnung zu tragen.
Oben angekommen herrschte auf dem Schotterparkplatz ein Chaos, so dass ich mich zur sofortigen Abfahrt entschlossen habe. In der Nähe des Observatoriums zweigt eine Strasse zu einem Aussichtspunkt ab, ich folgte der Sackgasse bis zum Aussichtspunkt. Von dort hatte ich einen tollen Blick über Neapel.
Von dort ging es dann über die nervige Küstenstrasse nach Sorrent zu meinem Hotel in S.Agat sui Golfi. Hier hatte ich eine erste Doppelübernachtung und ich nutzte des freien Tag zu einem Besuch der Stadt Sorrent und einer Schwimmrunde im Hotelpool. Von dort hat man einen tollen Blick auf den Vesuv und die Städte Neapel und Sorrent.
Bei meinem Tagesausflug nach Sorrent konnte ich den Vesuv „rauchen“ sehen:
Am Dienstag, den 05.10. ging es dann noch weiter in den Süden. Direkt hinter S.Agata beginnt die Amalfi Küste mit Ihren malerischen Dörfern, die an den Felsen kleben. Über die kurvige Strasse quälen sich viele Reisebusse und Touristen, so dass kein wirklicher Fahrspass aufkommt.
Hinter Salerno wird es dann sehr flach und bis zur Ortschaft Paestum gibt es auch nicht wirklich viel zu sehen. In Paestum befindet sich eine riesige alte Stadt mit Stadtmauer aus der griechischen und römischen Epoche, die man besichtigen kann.
Kurz hinter Paestum hatte ich genug von der Küste und bin in die Berge Richtung Vallo d. Luciania abgebogen. Endlich hatte ich die Strassen gefunden, die dem Motorradfahrer Spass machen. Kurve an Kurve, erfrischende Walddurchfahrten und kaum Verkehr!
Erst bei Policastro erreicht ich wieder die Küste und gönnte mir an einer Strandbar ein belegtes Brötchen. Von dort ging es noch rund 30 km bis Castrocucco di Maratea, meinem südlichsten Anlaufpunkt auf der Tour. Dieser Strassenabschnitt ist geprägt zur eine tolle Strassenführung mit vielen Tunneln und amtemberaubenden Ausblicken auf kleine malerische Buchten.
Auch hier hatte ich wieder eine Doppelübernachtung, so dass ich am nächsten Tag eine kleine Runde durch die näheren Berge und zur Madonna von Maratea gemacht habe. Vor der Auffahrt zur Madonna erkundete ich noch mit einem Rundgang die Altstadt des malerische Städtchen Maratea und egnoß ein Eis auf dem Hauptplatz.
Die Auffahrt zur Madonna ist wirklich atemberaubend, denn den italienischen Ingenieuren ist der Berg für die Kurven ausgegangen. Sie haben sich zu helfen gewußt und halt einige Brücken für die Kehren gebaut!
Blick von der Madonna auf das Kurvengeschlängel das hinauf führt:
Oben auf dem Gipfel habe ich drei Biker aus Kanada (Toronto) getroffen!
Von Maratea ging es eine“kurze“ Verbindungsetappe nach Matera, der Höhlenstadt. Ich fuhr also erst mal ein kleines Stück nach Süden (bis Scalea) und bog erst dann ab in Richtung Nordosten. So konnte ich auch noch die Provinz Calabrien bereisen und die tollen Strassen im Parco del Pollino kennenlernen.
Nach einer recht langen Fahrzeit über kleinste Strassen erreicht ich die Ebene und Episcopia. Der Ort wäre sicherlich besonders zu erwähnen, aber mein Navi wusste eine tolle Abkürzung und führte mich auf eine schier endlose „nicht befestigte“ Strasse.
Zum Glück schaffte ich die Steigungen und gelangte dann wieder auf die Strasse nach Fardella.
Dieser Abschnitt bot augewaschene Steigungen und Schlammlöcher, wie man sieht:
Von dort ging es wieder ins Tal und ich fuhr am Lago di Monte Cotungo entlang, dessen Wasser türkisblau glitzerte. Da meine Abenteurlust noch nicht aufgebraucht war, versuchte ich über Calobraro und Tursi gen Norden zu fahren. Nach einigen Mühen erreichte ich Colobraro, aber dort versperrte mir eine Baustelle die Weiterfahrt. Bei der Abfahrt verscheuchte ich wie bei der Auffahrt einige Schlangen von heißen Asphalt, die sich dort sonnten. Dann ging es weiter durch eine faszinierende Landschaft nach Matera.
Die Stadt Matera gehört zum UNESCO Weltkulturerbe, bedingt durch das Zisternensystem (Regenwasserspeicherung) und die Höhlenwohnungen.
Toll war auch die Abendstimmung in dieser alten Stadt:
Auch mein Hotel befand sich in einer Höhle und gehörte zu den besten der Tour.
Der nächste Tourabschnitt führte mich von Matera nach Vieste (Gargano) Nur die letzten 30 km haben wirklich Spass gemacht, denn erst ab Manfredonia ging es entlang der schönen Küstenstrasse nach Vieste.
Am kommenden Morgen überraschte mich ein starkes Unwetter mitten im Gargano. Eine gewaltige Gewitterfront hielt mich für fast 2 h in den Bergen gefangen. Es lag 10 cm Hagel auf der Strasse und die Blitze schlugen in meiner unmittelbaren Nähe ein.
Ich stellte mich unter eine Brücke, dann setzte ich meine Fahrt fort, begleitet von sehr starken Seitenwinden. Die Schäden durch das Unwetter konnte ich live erleben. Mal war die Strasse abgesoffen und oder es lagen sehr viele Äste und Laub auf der Fahrbahn.
Müde von der anstregenden Fahrt überquerte ich von Campobasso den Gebirgszug Matese und gelangte so nach Piedimonte Matese.
Auch bei der Überquerung dieses Passes (Sella Perone 1257 m ü. NN) musste ich höllisch aufpassen. Die Temperatur war durch das Unwetter nahe 0° C und an den Kurvenrändern lag noch der Hagel unter den abgeschlagenen Blättern und Ästen.
Müde von der Fahrt erkundete ich noch am Nachmittag das Stadtzentrum von Piedimonte. Am nächsten Tag schien wieder die Sonne und ich machte einige Ausflüge ich die angrenzenden Berge. Bei jedem Höhenmeter merkte man die deutliche Abkühlung (bedingt durch das Unwetter vom Vortag) und die Berge hatten eine erste Schneehaube:
Am Lago del Matese machte ich nur eine kurze Pause, denn trotz des tollen Wetter waren die Temperaturen an diesem Gebirgssee deutlich unter 10° C!
Ich beeilte mich auf dem Weg hinunter ins Tal und tourte noch etwas durch die Ebene. Von Dragoni fotographierte ich nochmal den Matese und Piedimonte:
Am nächsten Tag verließ ich Piedimonte und es ging zuerst über die S 158 Richtung Nordwesten. Schon nach wenigen Kilometern bog ich von der Hauptstrasse ab und fuhr die kurvenreichen, einsamen Strassen über Pozilli, Cerasuolo bis hinter Pizzone.
Dort erreichte ich wieder die S 158 und am Beginn der Passstrasse nach Alfedena machte ich eine Pause an einer der ersten Kehren.
Ich ahnte zu diesem Zeitunkt noch nicht, das mir der schönste Teil der Tour noch bevor stand. Über den 1112 m ü. NN hohen Pass ging es nach Alfedena in den Nationalpark der Abbruzzen.
In schönen Kurven und Kehren ging es nun hinunter nach Alfedena, dort bog ich links ab von der S 158 auf S 83 in Richtung Barrea ab. Der nächste Pass (Colle d. Croce) mit 1164 m ü. NN stand an und führte mich bis zu Lago del Barea hinab.
Entlang der Nordseite des Sees ging es nun in Richtung Scanno auf der S 479. Hinter dem See steigt die Strasse unaufhörlich an bis zum Passo Gudi auf 1564 m ü. NN.
Je näher ich an die Passhöge kam desto mehr Schnee lag am Strassenrand.
An der Passhöhe befindet sich ein kleines Skigebiet, das von Scanno aus mit einer Seilbahn erschlossen ist.
Hier oben hatte es am Sonntag heftig geschneit und der Pass war das erste Mal in diesem Winter mit Räumfahrzeugen gesäubert worden.
Dann ging es hinunter durch Scanno zum Lago di Scanno. Ich Ort machte ich eine kurze Pause und genoß bei einer Tasse Capuccino eine örtliche Gebäckspezialität aus Blätterteig. Mein Hotel für die nächsten zwei Nächte lag auf einer kleinen Landzunge am südlichen Ende des Sees.
Am nächsten Tag folgte ich dem Tip der Reception und fuhr durch die tolle Schlucht des Sagittario nach Salmona, mit einem kurzen Abstecher zum Bergdorf Castrovalva. Kurz vor dem Ort, zu dem eine atemberaubende Strasse mit vielen engen Kehren führt,
musste ich durch einen unbeleuchteten Tunnel fahren, der direkt unter der Ortschaft liegt.
Kurz darauf erreichte das kleine Dorf und schlenderte gemütlich durch die gepfegten Gassen.
Von hier oben gab es zahlreiche tolle Ausblicke in das Tal des Sagittario und die angrenzende Bergwelt.
Dann ging die Fahrt weiter Richtung Salmona durch die romatische Schlucht des Sagittario. Salmona ist ein Oberzentrum der Region und dort war an diesem Tag Markt. Es herrschte ein heilloses Chaos in der Stadt und alle Bewohner der umliegenden Abruzzendörfer schienen sich hier und heute zu versammeln.
Ich parkte direkt am Marktplatz und schlenderte entlang der Stände zum Aquädukt. Dort suchte ich mir ein Strassencafe und beobachtet das Treiben bei einem Erfrischungsgeträng.
Dann hieß es Abschied nehmen vom turbulenten Stadtleben und ich fuhr zurück durch die Schlucht zum Lago di Scanno.
Auf den Rückweg bog ich kurz vorm See rechts ab und schaute mir noch das Dorf Villalago an. Wie alle Bergdörfer ging es über zahllose Treppen und Stufen zum höchsten Punkt des Ortes, dort stand der Burgfried.
Auch von hier oben gibt es tolle Ausblicke ins Tal und auf die verschneiten Berge.
Auf dem Rückweg zum Hotel fuhr ich diemal an der östlichen Uferseite entlang. Dabei unterquerte ich eine kleine Kirche, die direkt oberhalb der Strasse auf einem eigens gebauten Strassentunnel thront.
Vielleicht ist dies die erste „Drive Through“ Kirche der Welt?!
Am nächsten Tag ging dann die Tour zurück zum Monte Amiata in der Südtoscana.
Auch hier hatte der Herbst Einzug gehalten und die Temperaturen deutlich abklingen lassen. Am Nachmittag ging es nochmal hinab ins Städtchen Castro del Piano zum Tanken und Getränkeeinkauf. Dabei durchquerte ich die Kastanienhaine des Monte Amiata. Dortwar die ERnet im vollen Gange. Die Strasse und besonders die engen Kurven waren voll mit hinuntergefallenen und zerquetschten Kastanien. In der dortigen Brauerei wird aus den Kastanien sogar ein Bier gebraut.
Vom Monte Amiata fuhr ich am nächsten Tag zur Levante Küst in den Badeort Sestri di Levante, wo ich mir ein kleines Hotel außerhalb des Touristenrummels ausgesucht hatte.
Die Fahrt dorthin wurde durch starke Seitenwinde zu einer sehr anstregenden Angelegenheit. daher verzichtete ich auf eine Abstecher nach Pisa und auch auf eine Besichtigung der Steinbrüche von Carara.
Am späten Nachmittag erkundete ich dann noch das Städtchen Sestri, das durch den dänischen Dichter Andersson berühmt wurde. Sestri liegt auf einer Halbinsel und besitzt zwei Buchten.
Am nächsten Tag fuhr ich die 160 km nach Alessandria zum Autoreisezug, der mich zurück nach Neu-Isenburg brachte.
Von Neu Isenburg ging es am Sonntagmorgen, den 16.10.2011 bei 3° C zurück nach Ladenburg, wo ich erst mal das Eis von der Frontscheibe meines Autos kratzen musste.
Nach 4500 km in zwei Wochen stellte ich das Motorrad in der Garage ab und war froh, eine warme Dusche zuhause genießen zu können.
Für die schnelle Unterstützung die diesen Ersatzurlaub erst ermöglichte, möchte ich mich bei BMW Motorrad Mayer in MA-Friedrichsfeld (technischer Service), der Fa. Feelgood (Hotelbuchungen und Routenvorschläge) und Reifen Schuck bedanken.
fff demnächst.
